AdagioEtüde Op. 1 Nr. 3 · Satz III · Zinsen und Kredite
Effektiver Jahreszins: Was ein Kredit wirklich kostet
Welche Zahl in einem Kreditangebot sagt etwas über die tatsächlichen Kosten aus, und wie hängen Zins, Laufzeit und Monatsrate zusammen?
Kreditangebote enthalten viele Zahlen: Sollzins, effektiver Jahreszins, Nettodarlehensbetrag, Gesamtbetrag, Monatsrate, Laufzeit. In der Werbung steht meist nur eine davon groß, häufig die Monatsrate, weil sie am niedrigsten aussieht. Für die Frage, was ein Kredit kostet, ist sie aber die am wenigsten aussagekräftige Zahl.
Dieser Text erklärt die wichtigsten Kennzahlen eines Verbraucherkredits, zeigt an einem vereinfachten Rechenbeispiel, wie die Laufzeit die Gesamtkosten verändert, und beschreibt, welche Unterlagen ein Angebot vergleichbar machen. Er bewertet keine Anbieter und empfiehlt keinen Kredit.
Merke
- Der effektive Jahreszins enthält neben dem Sollzins weitere Kosten und macht Angebote vergleichbar.
- Eine längere Laufzeit senkt die Rate, erhöht aber in der Regel die Zinskosten insgesamt.
- Maßgeblich für die Kosten sind effektiver Jahreszins und Gesamtbetrag, nicht die Monatsrate.
Sollzins: der Preis für das geliehene Geld
Der Sollzins, früher oft Nominalzins genannt, ist der Zinssatz, den der Kreditgeber für das geliehene Geld pro Jahr berechnet. Er bezieht sich auf die jeweils noch offene Schuld. Weil diese Schuld mit jeder Rate sinkt, sinkt auch der Zinsanteil der Rate im Lauf der Zeit, während der Tilgungsanteil steigt.
Der Sollzins allein beschreibt die Kosten jedoch nicht vollständig. Er sagt nichts darüber, ob zusätzlich Gebühren anfallen, wie oft die Zinsen verrechnet werden oder ob für den Abschluss weitere Pflichtkosten entstehen. Für den Vergleich von Angeboten gibt es deshalb eine zweite Kennzahl.
Ein Beispiel macht das deutlich: Zwei Angebote mit gleichem Sollzins können unterschiedlich teuer sein, wenn eines eine Bearbeitungsgebühr enthält oder Zinsen häufiger verrechnet werden. Wer nur den Sollzins vergleicht, hält beide für gleichwertig, obwohl am Ende unterschiedliche Beträge zurückzuzahlen sind.
Was der effektive Jahreszins zusätzlich enthält
Der effektive Jahreszins rechnet die Gesamtkosten des Kredits in einen Jahressatz um. Neben dem Sollzins fließen Kosten ein, die der Kreditnehmer zwingend tragen muss, um den Kredit zu erhalten, sowie die Art der Zinsverrechnung. Kreditgeber müssen ihn in Deutschland in Angeboten und in der Werbung angeben, wenn sie Zinsen oder Kosten nennen.
- Nettodarlehensbetrag
- Der Betrag, der tatsächlich ausgezahlt wird.
- Gesamtbetrag
- Alles, was über die Laufzeit zurückgezahlt wird: Darlehen, Zinsen und verpflichtende Kosten.
- Tilgung
- Der Teil der Rate, der die Schuld verringert. Der Rest der Rate sind Zinsen.
In der Werbung muss zudem ein repräsentatives Beispiel stehen, das zeigt, welcher effektive Jahreszins für einen erheblichen Teil der Kunden gilt. Liegt das persönliche Angebot darüber, ist das kein Fehler, sondern eine Folge der individuellen Bonitätsprüfung. Entscheidend ist dann der Zinssatz im persönlichen Angebot.
Laufzeit, Rate und Gesamtbetrag
Wie stark die Laufzeit die Kosten beeinflusst, zeigt ein vereinfachtes Rechenbeispiel. Angenommen werden 5.000 Euro, ein Zinssatz von sechs Prozent pro Jahr, monatliche Raten und keine weiteren Kosten. Die Werte sind gerundet und dienen nur der Veranschaulichung; sie beschreiben kein reales Angebot.
| Laufzeit | Monatsrate | Gesamtbetrag | davon Zinsen |
|---|---|---|---|
| 24 Monate | ca. 222 € | ca. 5.318 € | ca. 318 € |
| 36 Monate | ca. 152 € | ca. 5.476 € | ca. 476 € |
| 60 Monate | ca. 97 € | ca. 5.800 € | ca. 800 € |
Die Rate halbiert sich ungefähr, wenn die Laufzeit von zwei auf fünf Jahre steigt. Die Zinskosten steigen dabei auf mehr als das Doppelte, weil die Schuld langsamer sinkt und länger verzinst wird. Eine niedrige Rate erleichtert den Monatsplan, macht den Kredit aber in aller Regel teurer.
Ein Kreditangebot lesen
Vor Abschluss eines Verbraucherkredits erhalten Kreditnehmer in der Europäischen Union ein standardisiertes Informationsblatt, die Europäischen Standardinformationen für Verbraucherkredite. Es ist bei allen Anbietern gleich aufgebaut und deshalb das beste Werkzeug für einen Vergleich.
- Effektiven Jahreszins vergleichenBei gleichem Betrag und gleicher Laufzeit ist er die wichtigste Vergleichszahl.
- Gesamtbetrag prüfenEr zeigt in Euro, was der Kredit insgesamt kostet.
- Bonitätsabhängigkeit beachtenBeworbene Zinssätze gelten oft nur für einen Teil der Kunden; maßgeblich ist das persönliche Angebot.
- Zusatzprodukte erkennenVersicherungen oder Mitgliedschaften sind häufig freiwillig und gehören dann nicht in den effektiven Jahreszins.
Für einen fairen Vergleich sollten Betrag und Laufzeit bei allen Angeboten gleich sein. Unterscheiden sie sich, unterscheiden sich auch Rate und Gesamtbetrag, und der Vergleich verliert an Aussagekraft. Wer mehrere Varianten durchrechnet, legt sie am besten in einer kleinen Tabelle nebeneinander.
Sondertilgung, Restschuld und Zusatzprodukte
Viele Ratenkredite erlauben es, die Schuld vorzeitig ganz oder teilweise zurückzuzahlen. Dafür kann eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung anfallen. Wer mit unregelmäßigen Einnahmen rechnet, etwa einer Steuererstattung, sollte vorab klären, ob und zu welchen Bedingungen Sondertilgungen möglich sind.
Häufig wird zusammen mit dem Kredit eine Restschuldversicherung angeboten. Sie kann die Raten bei bestimmten Ereignissen übernehmen, kostet aber einen Beitrag, der die Gesamtkosten deutlich erhöhen kann. Ob sie freiwillig ist, steht im Vertrag; ist sie freiwillig, ist sie im effektiven Jahreszins nicht enthalten. Ein Vergleich gelingt nur, wenn alle Kosten nebeneinanderstehen.
Unabhängig vom Angebot gilt: Eine Kreditrate ist Fixkosten für die gesamte Laufzeit. Bevor man sie eingeht, sollte sie im Monatsplan Platz haben, ohne die Rücklage aufzuzehren.
Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der Bildung und stellt keine Finanzberatung oder Handlungsaufforderung dar. Entscheidungen über Geld, Kredite oder Anlagen treffen Sie selbst und in eigener Verantwortung.